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»Deutschland braucht Zuwanderung«

Studie der Bertelsmann-Stiftung, 12.2.2019

Deutschland ist mittlerweile aufgrund seiner starken Wirtschaft und seiner stabilen politischen Verfassung ein Migrationsmagnet geworden. In den Jahren 2015 bis 2017 zogen knapp 2,3 Millionen mehr Ausländer nach Deutschland als diese das Land verließen. Dieser starke Zuzug ist der hohen Fluchtmigration der Jahre 2015/16 und einer ausgeprägten Zuwanderung aus den anderen EU-Staaten geschuldet. Vor allem die Fluchtzuwanderung hat die Gesellschaft vor eine Belastungsprobe gestellt und in Teilen der Bevölkerung das Gefühl eines Kontrollverlustes hervorgerufen. Migrationsskeptische und ausländerfeindliche Bewegungen und Parteien erhielten dadurch Auftrieb und verstärkten ihrerseits Spaltungstendenzen in der Gesellschaft. Die Studie der Bertelsmann Stiftung zu Einstellungen der Bevölkerung gegenüber Migranten und Flüchtlingen aus dem Jahr 2017 zeigte zwar, dass die noch junge „Willkommenskultur“ ihren ersten großen Stresstest bestanden hat. Zugleich wurde aber deutlich, dass das Flüchtlingsthema die Vorteile der Einwanderung in den Hintergrund gedrängt hatte. So glaubten immer mehr Deutsche, Einwanderung belaste den Sozialstaat, rufe Konflikte hervor, bereite Probleme in den Schulen und verschärfe die Wohnungsnot.

Demographischer Wandel bedeutet Zuwanderungsbedarf.

Die vorliegende Studie zeigt eindrücklich, dass aufgrund des demographischen Wandels in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine alternde Gesellschaft wie die deutsche auf Zuwanderung angewiesen bleibt. Daran ändert der starke Zuzug von Ausländern der letzten Jahre und steigende Geburtsraten seit 2011 nichts. Zwar führten diese Entwicklungen zu einem kurzfristigen Wachstum des Erwerbspersonenpotenzials, aber mittel- und langfristig ist rein demographisch mit einem starken Rückgang zu rechnen. Ohne Zuwanderung und bei konstanter Erwerbsbeteiligung würde das Erwerbspersonenpotenzial bis zum Jahr 2060 auf 31 Millionen schrumpfen. Das wäre ein Rückgang von fast 16 Millionen Personen. Deutschland hat also aufgrund des demographischen Wandels Zuwanderungsbedarf. Wie hoch dieser Bedarf allerdings quantitativ einzuschätzen ist, wie er sich qualitativ zusammensetzt und welche Rolle die Zuwanderung aus Drittstaaten spielen sollte, steht im Zentrum der vorliegenden Studie.

Digitalisierung verändert den Arbeitskräftebedarf

Ein wichtiger Faktor ist dabei die Digitalisierung in der Arbeitswelt, die zukünftig immer bedeutsamer werden wird. Während manche Szenarien einen dramatischen Rückgang von Arbeitskräften infolge der Automatisierung malen, gehen die Studienautoren davon aus, dass sich der Arbeitskräftebedarf trotz Digitalisierung zahlenmäßig zwar nur geringfügig verändert, es aber zu einer starken qualitativen Veränderung kommen wird. So werden bei einer verstärkten Digitalisierung voraussichtlich hochqualifizierte Experten stärker nachgefragt werden, während die Nachfrage nach mittleren Qualifikationen zurückgehen wird. Zu berücksichtigen seien aber auch gegenläufige Tendenzen. Denn langfristig – und bei Mitberücksichtigung der Angebotsseite – sei eher mit einer Entspannung der Engpässe bei Akademikern zu rechnen und mit einer Verschärfung bei mittleren Qualifikationen. Gründe dafür liegen darin, dass einerseits immer mehr Menschen höhere Qualifikationen erwerben und andererseits in den kommenden Jahren besonders viele Menschen mit Berufsausbildung aus dem Berufsleben ausscheiden.

Die vollständige Studie finden Sie hier.

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