»Die Autorität der Demokratie statt der autoritären Demokratie« | Blätter für deutsche und internationale Politik

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»Die Autorität der Demokratie statt der autoritären Demokratie«

Rede von Emmanuel Macron vor dem Europaparlament, 17.4.2018

Ich gehöre zu einer Generation, die den Krieg nie gekannt hat. Ich gehöre zu einer Generation, die sich den Luxus erlaubt, zu vergessen, was ihre Vorfahren durchlebt haben. Viele gehen heute davon aus, dass wir die gewöhnlichen Auseinandersetzungen, die Gewissheiten von gestern, weil wir uns an sie gewöhnt haben, und die wohlbekannten und abgestimmten Spaltungen vorziehen können. Aber ich stamme auch aus einer Region und einer Familie, die die hohen Verluste an Menschenleben unserer Geschichte zu spüren bekommen hat. Die Entscheidungen sind deshalb einfach. Ich will nicht zu einer Generation von Schlafwandlern gehören. Ich will nicht zu einer Generation gehören, die ihre eigene Vergangenheit vergessen hat oder sich weigert, das Leid seiner eigenen Gegenwart zu erkennen. Jeder wird in der kommenden Zeit wieder seinen eigenen Verantwortung nachkommen. Ich will jedoch zu einer Generation gehören, die fest entschlossen ist, ihre Demokratie zu verteidigen, denn es handelt sich hierbei nicht um ein Wort, dass nicht mehr aussagekräftig ist, an das wir uns gewöhnt haben und das uns träge werden lässt. Es ist ein Wort, das Sinn hat, weil ihm die Kämpfe der Vergangenheit eine Bedeutung verleihen.

Ich will zu einer Generation gehören, die die europäische Souveränität verteidigt, da wir sie uns erkämpft haben, da sie Sinn hat und die Voraussetzung dafür ist, dass die zukünftigen Generationen an jenem Moment selbst über ihre Zukunft entscheiden werden können. Ich werde keinerlei Faszination für autoritäre Gewalt nachgeben. Ich werde keiner Leichtigkeit unserer Zeit nachgeben. Ich bin jedoch der Meinung, dass es unsere gemeinsame Verantwortung ist, in den kommenden Monaten eine echte europäische Debatte zu schaffen, und eine echte europäische Agenda, nur durch die es unseren Völker ermöglicht werden kann, sich entweder für jene zu entscheiden, die ein Europa wollen, das nichts mehr vorschlägt, für jene, die ein Europa des Rückzugs wollen, ein Europa der Gewohnheit. Oder aber für jene, die bereit für ein Europa sind, das das ehrgeizige Ziel einer neuerfundenen Souveränität, einer lebendigen Demokratie verfolgt. Das Europa, an welches wir glauben.

Die vollständige Rede finden Sie hier

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