»Die gesetzliche Frauenquote erfüllt lediglich ihren Minimalzweck« | Blätter für deutsche und internationale Politik

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»Die gesetzliche Frauenquote erfüllt lediglich ihren Minimalzweck«

Studie des Institus für Mitbestimmung und Unternehmensführung der Hans-Böckler-Stiftung, 7.3.2019

Eine gesetzliche Geschlechterquote wirkt in den wenigen Unternehmen, für die sie gilt. Allerdings erreichen nur Unternehmen mindestens 30 Prozent Frau-en im Aufsichtsrat, sofern Neu- oder Nachwahlen bereits anstanden und die Abrundungsmöglichkeit nicht genutzt wurde. Insgesamt handelt es sich um 85 Unternehmen. Unter den insgesamt 107 quotengebundenen Unternehmen sind nach wie vor noch 22, welche die Quote unterschreiten. Einige Unternehmen haben Maßnahmen ergriffen, um die Quote – so ihre Argumentation gegenüber den Aktionären – vorzeitig zu erfüllen. Keines der drei Unternehmen steht jedoch nach der Gremienvergrößerung besser da als vorher. Es muss resümierend testiert werden: Das Gesetz erfüllt lediglich seinen Minimalzweck. Gerade einmal 38 von 107 Unternehmen haben einen höheren Frauenanteil als gesetzlich erforderlich. Davon hat nur ein Unternehmen gleich viele Frauen wie Männer im Gre-mium. Und nur in einem Unternehmen gibt es mehr weibliche als männliche Aufsichtsratsmitglieder. Die Mehrzahl der Unternehmen stellt nur so viele weibliche Aufsichtsratsmitglieder, wie gesetzlich erforderlich. Die Geschlechterquote in Höhe von 30 Prozent lässt sich damit als neue gläserne Decke für den Aufsichtsrat umschreiben.
In den Vorständen der quotengebundenen Unternehmen besteht ebenfalls weiterhin Aufholbedarf. Zu Beginn des Jahres 2019 waren lediglich 43 Vorstände weiblich. In sieben Unternehmen waren dabei jeweils zwei Frauen im Vorstand. In nur zwei Unternehmen gibt es jeweils eine weibliche Vorstandsvorsitzende. In Anbetracht der Tatsache, dass es sich bei Vorstands-verträgen in der Regel um drei- bis fünfjährige Laufzeiten handelt, war auch nicht zu erwarten, dass ad hoc viel mehr Frauen einen Vorstandposten besetzen. Weit vor der gesetzlichen Verpflichtung zu den Zielvorgaben hätten unternehmerische Maßnahmen ergriffen werden müssen, um mehr Frauen für Vorstandsposten zu qualifizieren. Dieses Fazit gilt umso mehr für nicht quotengebundene Unternehmen. Diese besetzen derzeit noch weitaus weniger Frauen im Vorstand. Das Gesetz entfaltet damit nicht die erhoffte Wirkung auf Unternehmen, die von der Quote nicht erfasst werden.

Die vollständige Studie finden Sie hier.

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