»Ein Blick in die Ausbildungsstatistik zeigt höchst problematische Entwicklungen« | Blätter für deutsche und internationale Politik

LoginWarenkorb

»Ein Blick in die Ausbildungsstatistik zeigt höchst problematische Entwicklungen«

Analyse des Deutschen Gewerkschaftsbundes zur offiziellen Ausbildungsstatistik 2012, 4.2.2013

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt erscheint paradox: Die Partner des Ausbildungspaktes – die Spitzenverbände der Wirtschaft und die Bundesregierung – sprechen in ihrer Bilanz des Ausbildungsjahres 2012 von einer „insgesamt guten Situation“ für die Jugendlichen, die es dank einer „stabilen konjunkturellen Lage“ gebe. Es gebe auch in diesem Jahr „mehr unbesetzte Stellen als unvermittelte Bewerber“.

Trotz des vermeintlich entspannten Ausbildungsmarkts liegt der Anteil der Menschen ohne Berufsabschluss weiterhin konstant hoch. Allein das Statistische Bundesamt zählt 1,56 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren ohne Berufsabschluss. Damit liegt der Anteil der ausbildungslosen Jugendlichen nach Auswertungen des Mikrozensus bereits seit mehr als zehn Jahren „bei rund 15 Prozent – und damit auf hohem Niveau“.

Die hohe Zahl der jungen Menschen ohne Berufsabschluss passt nicht zu den Erfolgsmeldungen des Ausbildungspaktes. Wenn es tatsächlich einen Bewerbermangel in der Berufsbildung geben würde, müsste auch die Zahl der Ausbildungslosen sinken.

Mehr noch: Ein tieferer Blick in die aktuelle, offizielle Ausbildungsstatistik zeigt höchst problematische Entwicklungen. Im Jahr 2012 wurden lediglich 551.271 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Dieses bedeutet ein Minus von 3,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Einen ähnlich niedrigen Wert gab es seit der Wiedervereinigung nur im Jahr 2005. Am Ende standen nach den Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) rein rechnerisch 100 Bewerberinnen und Bewerbern nur 89 betriebliche Ausbildungsplätze offen.

Die Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung und des Statistischen Bundesamtes deuten darauf hin, dass es in der Bilanz der Partner der Ausbildungspaktes methodische Mängel gibt. Solche Mängel sind besonders gravierend, da die Ausbildungsmarktstatistik darauf abzielen muss, die Lage auf dem Ausbildungsmarkt und die Situation junger Menschen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz realistisch und ungeschönt darzustellen. Sie muss den politisch Verantwortlichen klar aufzeigen, an welchen Stellen nachgesteuert werden muss.

Wie es zu diesem Auseinanderklaffen zwischen amtlichen Statistiken und den Presseerklärungen des Paktes kommt, will diese Kurzexpertise auf Grundlage der Zahlen des Ausbildungsmarktes 2012 untersuchen.

Hierzu werden folgende Fragen näher beleuchtet:

• Welche Jugendlichen werden als Bewerber auf einen Ausbildungsplatz gezählt?

• Welche Jugendlichen gelten als versorgt bzw. als unversorgt?

• Wie unterscheidet sich die Gruppe der unversorgten Jugendlichen?

Anhand dieser Zahlen sollen Vorschläge für eine bessere, reformierte Ausbildungsbilanz erarbeitet werden. Eine solche Reform soll die tatsächliche Situation auf dem Ausbildungsmarkt besser abbilden und den Entscheidungsträgern eine gute Grundlage für Entscheidungen bieten.

Die vollständige Analyse finden Sie hier (pdf).

top