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»Frauen erzielen nur halb so viel Einkommen«

Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zu Einkommensungleichheit zwischen Männern und Frauen, 28.8.2014

Erstmals wurde für Deutschland eine geschlechtsspezifische Analyse der Einkommensverteilung und der Steuerlastverteilung auf Grundlage der zuletzt verfügbaren Daten aus der Lohn- und Einkommensteuerstatistik 2007 durchgeführt. Danach erzielen Frauen im Durchschnitt nur die Hälfte des Einkommens der Männer. Dieser Rückstand ist bei den Kapital- und Vermietungseinkommen weniger ausgeprägt als bei den Arbeits- und Gewinneinkommen. Die durchschnittlichen Einkommensteuerbelastungen von Frauen liegen zwar insgesamt unter denen der Männer. In den unteren und mittleren Einkommensgruppen sind die Durchschnittsbelastungen der Ehefrauen aber mehr als doppelt so hoch wie die der Ehemänner mit gleichen Einkommen. Dieser Effekt entsteht durch das Ehegattensplitting.

In dieser Studie werden die Informationen der Lohn- und Einkommensteuerstatistik 2007 nach Männern und Frauen aufbereitet. Dies ermöglicht eine umfassende Darstellung der geschlechtsbezogenen Einkommensverteilung und Einkommensteuerbelastungen, die neben den Arbeitseinkommen auch die Unternehmens- und Vermögenseinkommen sowie die hohen Einkommen repräsentativ erfasst, die bisher nicht geschlechtsspezifisch untersucht wurden.

Die Analyse der Einkommensverteilung nach Einkommenskomponenten und Geschlecht zeigt, dass Frauen deutlich niedrigere Einkommen erzielen als Männer. Auf der Ebene eines breit definierten Bruttoeinkommens, für das die Informationen der Steuerstatistik so umfassend wie möglich aufbereitet werden, beziehen Frauen im Durchschnitt lediglich die Hälfte der Einkommen von Männern. Ein hoher Einkommensabstand der Frauen zeigt sich bei den Arbeits- und Gewinneinkommen, aber auch bei den steuerlich erfassten Renten, Pensionen und Lohnersatzleistungen. Bei den Kapital- und Vermietungseinkommen ist der Einkommensrückstand weniger ausgeprägt, aber ebenfalls erheblich.

Neuere Ergebnisse der Lohn- und Einkommensteuerstatistik liegen bisher nicht vor. Seit 2007 ist zwar die Erwerbsbeteiligung der Frauen gestiegen, zugleich hat die Teilzeitquote bei den Frauen noch leicht zugenommen, da vor allem Mütter auf den Arbeitsmarkt kamen.[1] Am Gender Income Gap zwischen Frauen und Männern dürfte sich daher nur wenig geändert haben.

Frauen zahlen zwar insgesamt absolut weniger Einkommensteuer, auch ihre durchschnittlichen Steuerbelastungen bezogen auf das Bruttoeinkommen sind niedriger. In den unteren und mittleren Einkommensgruppen sind die Durchschnittsbelastungen der Frauen aber deutlich höher als bei Männern mit gleichen Einkommen. Bei den Einzelveranlagten ist dieser Effekt nicht zu beobachten, da alters- und kinderbezogene Begünstigungen zu niedrigeren Durchschnittsbelastungen bei Frauen führen. Bei verheirateten Frauen hingegen führt das Ehegattensplitting zu weitaus höheren steuerlichen Belastungen. Da die Ehefrauen zumeist die niedrigeren Einkommen haben, ist ihr Durchschnittssteuersatz auf das eigene Einkommen höher als bei einer Individualbesteuerung, denn durch das Splittingverfahren bekommen sie das höhere Einkommen der Männer teilweise zugerechnet. Daher führt das Ehegattensplitting zu hohen Grenz- und Durchschnittsbelastungen für Zweitverdiener mit niedrigen und mittleren Einkommen, also vor allem für Ehefrauen mit Kindern. Dieser Effekt gilt als ein Grund für den oft nur geringen Erwerbsumfang von verheirateten Frauen in Deutschland.[2]



[1] Vgl. Sozialpolitik-aktuell.de: Das Informationsportal zur Sozialpolitik in Deutschland. III.3 Frauenerwerbstätigkeit.

[2] Vgl. dazu Bach, S. et al. (2011), a. a. O.; Buslei, H., Wrohlich, K. (2014): Besteuerung von Paaren – Das Ehegattensplitting und seine Alternativen. DIW Roundup 21.

Die vollständige Studie finden Sie hier.

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