»Immer weniger junge Europäer befürworten den EU-Austritt ihres Landes« | Blätter für deutsche und internationale Politik

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»Immer weniger junge Europäer befürworten den EU-Austritt ihres Landes«

Jugendstudie der TUI-Stiftung, 3.5.2018

Ohne Europäische Union geht es nicht – oder nur schlechter. Junge Europäer stellen fest: Ihr eigenes Land braucht die EU ebenso stark wie umgekehrt, diese Meinung teilen immerhin 35 Prozent, im Jahr zuvor waren es nur 29 Prozent. Vor allem in Polen (von 20 auf 32 Prozent) und Spanien (von 22 auf 32 Prozent) ist die Zahl derjenigen gestiegen, die von diesem gegenseitigen Nutzen überzeugt sind. Ein weiteres Indiz dafür: Nur jeder Fünfte der jungen Europäer glaubt, dass die EU ihr Land mehr braucht als umgekehrt.

Folgerichtig steigt die Zustimmung zur Europäischen Union als Ganzes: Aus 61 Prozent „Ja“- Stimmen wurden innerhalb von zwölf Monaten beachtliche 71 Prozent. Für einen Austritt ihres Heimatlandes aus der Europäischen Union votierten heute nur noch 15 Prozent, während es 2017 noch 21 Prozent der jungen Leute waren. Die meisten EU-Befürworter sitzen übrigens nicht in Deutschland: Vielmehr votiert in Spanien eine imposante Mehrheit von 85 Prozent für den Verbleib ihres Landes in der Europäischen Union. In Frankreich, Italien und Polen liegt diese Zustimmungsrate immerhin bei rund 70 Prozent. Und selbst bei den jungen Griechinnen und Griechen, die die konkreten Auswirkungen der Politik der EU in besonderem Maße spüren, heben zwei Drittel den Daumen – ein Jahr zuvor war es nur die Hälfte.

Reformbedürftige Demokratie

Aus dieser Entwicklung lässt sich allerdings nicht ableiten, dass Europas Jugend die EU als eine Art emotionale Heimat sieht. Zwar verstehen sich 52 Prozent der befragten Frauen und Männer mehr oder minder (auch) als „Europäer“, 7 Prozentpunkte mehr als im vorigen Jahr, doch die EU nehmen die meisten weiterhin primär als wirtschaftliches Bündnis wahr.

Zwar bewerten 58 Prozent der jungen Europäer die Demokratie als grundsätzlich beste Staatsform, aber im Hier und Jetzt sehen sie reichlich Bedarf für Veränderungen. Nur 17 Prozent sind der Meinung, dass das politische System in ihrem Heimatland so funktioniert, wie es sollte. Nahezu jeder Zweite hält das demokratische System für reformbedürftig, 28 Prozent stellen das aktuelle Konstrukt sogar grundsätzlich in Frage und wünschen sich einen radikalen Wandel. Der Anteil solche radikaler Stimmen ist in Griechenland (52 Prozent), Italien (43 Prozent) und in Spanien (35 Prozent) besonders hoch – also in jenen Ländern, in denen eine hohe Jugendarbeitslosigkeit jungen Frauen und Männern die Aussicht auf eine bessere Zukunft verdüstert.

Kompromiss = Stillstand?

Über alle Grenzen hinweg gilt, dass junge Europäer mit populistischen Tendenzen Parteien und Politikern stärker misstrauen als alle anderen und dass sie den politischen Kompromiss als Ursache für den Stillstand geißeln. Ein häufig gehörter Vorschlag: Experten sollten entscheiden, nicht Politiker. Mehr als ein Drittel der jungen Europäer mit populistischem Gedankengut findet es sogar richtig, gelegentlich die Rechte der Opposition einzuschränken und gegebenenfalls demokratische Regeln außer Kraft zu setzen. 39 Prozent geben an, dass das politische System in ihrem Land so schlecht funktioniere, dass radikale Veränderungen notwendig seien.

Die vollständige Studie finden Sie hier.

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