»Kinderarmut: Geldleistungen sind sinnvoller als aufwendig zu beantragende Sachleistungen« | Blätter für deutsche und internationale Politik

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»Kinderarmut: Geldleistungen sind sinnvoller als aufwendig zu beantragende Sachleistungen«

Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), 21.11.2018

Viele familien- und sozialpolitische Leistungen für Kinder sind Geldleistungen, die Eltern so einsetzen können, wie sie es für richtig halten. Sie müssen nicht nachweisen, wofür das Geld ausgegeben wurde. Bei solchen nicht-zweckgebun denen Geldleistungen kann also nicht sichergestellt werden, dass das Geld tatsächlich bei den Kindern ankommt. Daher besteht bei diesen Geldleistungen die Sorge, dass die Eltern sie für Ausgaben verwenden, die keinen positiven Effekt auf das Wohlergehen ihrer Kinder haben. Vielfach wird sogar unterstellt, dass sie das Geld für eigene Wünsche „zweckentfremden“. Hierzu tragen Vorurteile sowie Berichterstattung über negative Einzelbeispiele bei: So prägen auch Medien das Bild, dass Eltern mit dem Kindergeld eher Fernseher, Alkohol oder Zigaretten kaufen würden als gesundes Essen oder Schulmaterialien für ihre Kinder.

Aufgrund dieser Sorge wurde 2011 das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) eingeführt, mit dem die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Transferbezug (SGB II, Wohngeld, Kinderzuschlag, Leistungen nach AsylbLG) bewusst in Form von Sach- und Dienstleistungen erfolgt. Die entsprechenden Förderleistungen wurden aus den bisherigen Regelbedarfen herausgerechnet, um einer möglichen falschen Verwendung von (bedingungslosen) Geldleistungen durch Eltern vorzubeugen. Jedoch verursacht diese Art der Leistungsgewährung einen hohen administrativen Aufwand: die Personal- und Sachkosten der Verwaltung liegen bei knapp 30 Prozent der Fördersumme. Hinzu kommt, dass aufgrund bürokratischer Hürden nicht alle Eltern die Ansprüche ihrer Kinder überhaupt geltend machen. Insofern stellt sich auch bei der Gewährung von Sach- und Dienstleistungen im Rahmen des BuT die Frage nach einer effizienten und zielgenauen Verwendung der finanziellen Mittel.

In der vorliegenden Studie wird empirisch untersucht, ob das eingangs skizzierte Misstrauen gegenüber Familien begründet ist. Dazu wird analysiert, ob bestehende Geldleistungen für Familien tatsächlich bei den Kindern ankommen oder ob – wie es Berichte über negative Einzelfälle suggerieren – das Geld von den Eltern „zweckentfremdet“ wird. Die Frage ist nicht nur relevant für die Bewertung des BuT, sondern gewinnt durch aktuelle familien- und sozialpolitische Vorschläge neue Bedeutung, wie beispielsweise die Einführung eines Teilhabegeldes oder einer Kindergrundsicherung. Durch solche Reformen würden die meisten Familien deutlich höhere Geldtransfers als derzeit beziehen. Für die Bewertung solcher Vorschläge ist es daher wichtig abschätzen zu können, was mit dem Geld geschehen würde.

Die vollständige Studie finden Sie hier.

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