»Längerfristiger Trend hin zu einer steigenden Ungleichheit« | Blätter für deutsche und internationale Politik

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»Längerfristiger Trend hin zu einer steigenden Ungleichheit«

OECD-Beschäftigungsausblick, 13.6.2017

Seit der Wirtschaftskrise 2008 verzeichnen sowohl OECD- als auch Nicht-OECD-Länder ein geringeres Wachstum als vor der Krise. Tatsächlich beläuft sich der kumulierte Verlust bei der Pro-Kopf-Leistung im OECD-Raum im Vergleich zur Entwicklung vor der Krise auf rund 50% des jährlichen Pro-Kopf-BIP. Dieses verlangsamte Wirtschaftswachstum hat die Stagnation des Wachstums der Realeinkommen verschärft, von der Menschen mit niedrigerem und mittlerem Einkommen bereitd aufgrund des längerfristigen Trends hin zu einer steigenden Ungleichheit betroffen waren. Im gesamten OECD-Raum stieg das durchschnittliche verfügbare Einkommen der reichsten 10% der Bevölkerung auf über das Neunfache des durchschnittlichen verfügbaren Einkommens der ärmsten 10%. Noch vor 25 Jahren war das Einkommen der reichsten 10% nur sieben Mal so hoch. Arbeitsmarkttrends – insbesondere das steigende Lohngefälle zwischen Arbeitskräften auf  den oberen und unteren Sprossen der Karriereleiter – haben eine wichtige Rolle bei der zunehmenden Einkommensungleichheit gespielt. Dementsprechend muss geprüft werden, ob die arbeitsmarktpolitischen Entscheidungen – einschließlich der Entscheidungen, die mit den Politikempfehlungen der OECD im Einklang stehen – unbeabsichtigt zu einem Wachstumsmodell beigetragen haben, das nicht verhindert hat, dass ein unverhältnismäßiger Anteil der Gewinn aus dem Wirtschaftswachstum den bereits einkommensstarken Bevölkerungsgruppen zufließt.
Dieser Beschäftigungsausblick analysiert wesentliche Fragen zur wachsenden Gegenbewegung zur Globalisierung und untersucht die Wechselwirkungen zwischen Globalisierung, technologischem Wandel und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und wie sich diese auf die Verteilung der mit dem wirtschaftlichen Wandel verbundenen Nutzen und Kosten in der beschäftigten Bevölkerung auswirken. Insbesondere war in nahezu allen OECD-Ländern in den letzten Jahrzehnten eine Beschäftigungspolarisierung zu beobachten, d.h. ein Rückgang des Anteils der Gesamtbeschäftigung im mittleren Qualifikations-/Lohnniveau bei gleichzeitigem Anstieg des Anteils an Arbeitsplätzen für hoch-  und geringqualifizierte Arbeitskräfte. Im OECD-Raum fiel der Anteil der Arbeitsplätze für  Arbeitskräfte mit einem mittleren Qualifikationsniveau zwischen 1995 und 2015 um 7,6 Prozentpunkte, während die Anteile an Arbeitsplätzen für hoch- und geringqualifizierte Arbeitskräfte um 5,3 bzw. 2,3 Prozentpunkte stiegen. Rund ein Drittel der gesamten Polarisierung lässt sich auf eine Verlagerung bei der Beschäftigung weg vom verarbeitenden Gewerbe hin zu Dienstleistungen zurückführen. Diese Entwicklung hat zur Folge, dass Fabrikarbeiter, die ihre Stelle verloren haben, oftmals gezwungen sind, eine schlechter bezahlte Stelle im Dienstleistungssektor anzunehmen. Die anderen zwei Drittel jedoch spiegeln die zunehmende Polarisierung innerhalb der Branchen wider.

 

Die vollständige Studie finden Sie hier.

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