»Ökonomische Aufklärung gegen den Abbau der Demokratie« | Blätter für deutsche und internationale Politik

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»Ökonomische Aufklärung gegen den Abbau der Demokratie«

Laudatio von Rudolf Hickel zur Verleihung des Hannah-Arendt-Preises an Ann Pettifor, 7.12.2018

Die jüngste Finanzmarktkrise hat sich bereits seit den neunzehnhundertachtziger Jahren herausgebildet. Die Lehmann-Brothers Pleite am 15. September vor zehn Jahren konnte am Ende nur noch symbolhaft den Zusammenbruch dieses neuen durch die Finanzmärkte getriebenen Spekulationskapitalismus sichtbar machen. Im Kern geht es um die ökonomische Wertschöpfung und Erwerbsarbeit, die durch die Macht der Finanzmärkte kommandiert wird.  Der Zusammenbruch dieser von der dienenden Funktion für die Wirtschaft und Gesellschaft relativ entkoppelten Finanzwirtschaft wirkt system-bedrohend: Pleiten von Banken, Zusammenbruch des wichtigen Interbankenmarktes, Absturz der gesamtwirtschaftlichen Produktion (in Deutschland 2009 um 5 Prozent), Verlust an Arbeitsplätzen, Finanzierung von teuren Programmen zur Rettung von Banken aus den öffentlichen Kassen. Vor allem aber ist die dadurch ausgelöste, tiefe Krise des Vertrauens in die Stabilität der geldwirtschaftlichen Grundordnung bis heute noch nicht überwunden. Im Gegenteil, die Ängste vor einem neuen Absturz zu Lasten der „kleinen Leute“ ist groß und hat auf das Wahlverhalten Einfluss. Berge an faulen Krediten in den Bankbilanzen sowie die völlig unkontrollierten Schattenbanken treiben die Ängste an. Unlängst ist in einer Studie über die politischen Folgen von Finanzkrisen in den letzten 200 Jahren im „European Economic Review“ erneut die Demokratiegefährdung dechiffriert worden.
Nicht nur in Deutschland schlachten Rechte diese Akzeptanzkrise des Systems für ihre Politik aus. Sie missbrauchen die realen sozialen Abstiegsängste gegen den Abbau der Demokratie, den sozialen Zusammenhalt und die Rettung der Umwelt. Man sollte meinen, spätestens die Bedrohung der demokratischen Grundlagen der Gesellschaft führe dazu, die Ursachen und Folgen dieser Finanzmarktherrschaft schonungslos zu untersuchen, um dagegen eine Politik der Entmachtung der Finanzmarktoligarchie in Gang zu setzen. Jedoch, bis auf wenige rühmliche Ausnahmen auch in Bremen, die die herrschende Politik beratende „Mainstream econmics“ versagt wieder einmal. Es nehmen die Versuche zu, die Krisenanfälligkeit des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus zu bagatellisieren, gar zu leugnen. Sechs Jahre nach dem Ausbruch der Finanzmarktkrise erhält Eugen Fama mit seiner Ideologie der Effizienz der Finanzmärkte nach seinem Lieblingsmotto „niemand ist schlauer als der Mark“ den Nobelpreis für Ökonomie.

Gegen dieses interessengeleitete Verdrängen der Ursachen und Folgen der Finanzmarktkrise stemmt sich das so wertvolle Buch von Ann Pettifor. Der Titel signalisiert ein doppeltes Programm: Analyse der „Produktion des Geldes“, der logisch konsequent „ein Plädoyer wider die Macht der Banken“ folgt.

Die vollständige Rede finden Sie hier.

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