»Steuern: Wer wenig hat, wird am stärksten belastet« | Blätter für deutsche und internationale Politik

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»Steuern: Wer wenig hat, wird am stärksten belastet«

Studie der Bertelsmann Stiftung, 17.8.2017

Das deutsche Steuer- und Transfersystem wird immer wieder als wachstums- und anreizfeindlich kritisiert. Die politische Debatte dreht sich dabei vor allem um den sogenannten Mittelstandsbauch im Einkommensteuertarif. Diese Studie hat das Zusammenwirken der verschiedenen Komponenten des Steuer-, Abgaben- und Transfersystems in der Bundesrepublik Deutschland untersucht. Dabei wird deutlich, dass die Debatte um den Mittelstandsbauch von viel größeren Fehlanreizen im Gesamtsystem ablenkt.
Anhand von Musterhaushalten zeigen wir, dass die effektive Grenzbelastung für viele Einkommensschichten im Gegensatz zum Grenzsteuersatz in der Einkommensteuer nicht progressiv verläuft: Die Grenzbelastung nimmt teilweise mit steigendem Einkommen sogar leicht ab. Beispielsweise liegt die effektive Grenzbelastung eines Ehepaares mit zwei Kindern, bei dem nur ein Ehepartner verdient, bei einem Bruttoeinkommen von 40.000 Euro bei ca. 45 Prozent. Hingegen liegt die Grenzbelastung bei einem Bruttoeinkommen von 90.000 Euro nur bei etwas mehr als 35 Prozent. Ursache dafür sind insbesondere die Beitragsbemessungsgrenzen in der Kranken- und Rentenversicherung sowie die Günstigerprüfung zwischen Kinderfreibetrag und Kindergeld.
Zudem ist die Grenzbelastung für Bezieher von Transferleistungen sehr hoch. Teilweise verlieren Haushalte sogar bei einem höheren Verdienst verfügbares Einkommen, da der ausgelöste Transferentzug das zusätzlich erzielte Einkommen übersteigt. Um das Steuer-, Abgaben- und Transfersystem anreizkompatibler zu gestalten und einen Beitrag zu inklusivem Wachstum zu leisten, haben wir verschiedene Reformoptionen umrissen, die gezielt Sprungstellen des Steuer- und Transfersystems beseitigen und auf die Steigerung der Erwerbsanreize abzielen.

Die vollständige Studie finden Sie hier.

 

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