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»Vielfalt im Stadtparlament ?«

Gemeinsame Studie des Max-Planck-Instituts und der Heinrich-Böll-Stiftung über Einwanderinnen und Einwanderer in den Räten deutscher Großstädte, 28.6.2011

Inwieweit spiegeln die Institutionen unserer Demokratie die zunehmende Vielfalt der Gesellschaft?
Erstmals untersucht das Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer
Gesellschaften – in Kooperation mit der Heinrich Böll Stiftung und unterstützt durch die Stiftung
Mercator – dies umfassend und systematisch für die Räte deutscher Großstädte. Für eine funktionierende
Demokratie ist die Interaktion ihrer Institutionen mit allen Teilen der Gesellschaft von entscheidender
Bedeutung. Der Grad erreichter Gleichberechtigung und Integration bemisst sich auch
daran, inwieweit Einwanderinnen und Einwanderer an politischen Entscheidungen teilhaben und
Zugang zu politischer Macht erhalten. In den Städten, wo zum Teil mehr als ein Drittel der Bevölkerung
eine eigene oder familiäre Migrationsgeschichte hat, ist die Überwindung des Gegensatzes
zwischen vielfältigen Gesellschaften und weitgehend homogenen Parlamenten besonders dringlich.

Fragestellung und Anlage der Studie
In welchem Ausmaß sind heute schon Menschen mit Migrationshintergrund in den Räten deutscher
Städte vertreten? Können wir einen Trend zur ‘vielfältigeren Demokratie‘ beobachten? Wem gelingt
der Aufstieg in die lokalen politischen Eliten und wie nehmen die politischen Repräsentantinnen
und Repräsentanten der Einwanderer ihre eigene Karriere und deren Bedingungen wahr? Mit welchen
Hindernissen haben sie zu kämpfen? Diese Fragen untersucht die Studie erstmals systematisch
für die deutschen Großstädte, also alle 77 Städte mit mindestens 100.000 Einwohnerinnen
und Einwohnern. Da Berlin, Bremen und Hamburg Bundesländer sind, klammern wir sie aus dem
Vergleich der Großstädte aus, widmen aber einen Exkurs der Stadt Berlin und den Lehren, die sie
für andere Städte bietet. Die Studie basiert auf drei Bausteinen:
1. Einer Auswertung aller Listen der Kandidatinnen und Kandidaten sowie der gewählten
Ratsmitglieder im Zeitraum von 2001 bis (März) 2011, wobei wir für jede Stadt zwei Kommunalwahlen
analysieren.
2. Einer schriftlichen, standardisierten Umfrage unter Ratsmitgliedern mit Migrationshintergrund,
an der zwei Drittel der Gruppe teilnahmen (117 Ratsmitglieder).
3. Knapp 30 persönlichen Interviews mit Ratsmitgliedern mit Migrationshintergrund, um mehr
über deren Motivationen, Karrierewege und Erfahrungen herauszufinden.
Als Ratsmitglieder mit Migrationshintergrund wurden Personen in die Studie einbezogen, die nicht
in Deutschland geboren wurden und in dieses Land einwanderten sowie Personen, die Kind mindestens
eines Elternteils sind, für den Entsprechendes gilt. Ein „Migrationshintergrund“ ist eine
Besonderheit der eigenen oder familiären Biographie, der nichts Negatives anhaftet. Ob und wie
sich diese auf eine kommunalpolitische Karriere auswirkt, ist Gegenstand unserer Untersuchung.

Sie können eine Übersicht der Studie hier herunterladen. Die vollständige Studie wird voraussichtlich erst ab Herbst 2011 verfügbar sein. 

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