Ausgabe Mai 2000

Global Governance im WWW

Das Internet ist in wenigen Jahren vom amerikanischen Forschungsnetz zum globalen Netz der Netze geworden. Um so überraschender ist, dass das rasante Wachstum von keiner Zentrale koordiniert wurde. Weder gab es eine Regierung noch eine andere zentrale Organisation, welche die Technik gesteuert hätte. Doch nun soll die von der US-Regierung gegründete Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) Schlüsselpunkte des globalen Internets steuern. Um ICANN für diese Aufgabe zu legitimieren, werden für ihr Direktorium dieses Jahr weltweite Online-Wahlen veranstaltet. Stehen wir also vor der Errichtung einer repräsentativen OnlineDemokratie? Kann das Internet so vom Motor und Sinnbild der Globalisierung, zum Paradigma einer kosmopolitischen und transnationalen Demokratie avancieren, die weltweites Regieren - Global Governance - mit neuen Mitteln erlaubt?

Weithin wird der Tod des Staates vorhergesagt, da Globalisierung und idealtypisch der Cyberspace nationalstaatlich fixierte Demokratien vor ein gemeinsames Problem stellen: Beide ignorieren die Grenzen des territorial definierten Nationalstaates und untergraben somit nicht nur seine Fähigkeit effizient zu regieren, sondern stellen die Demokratie grundsätzlich in Frage. Beide heben die geographische Übereinstimmung von Regelnden, die durch kollektive Entscheidungen (Wahlen) legitimiert sind, und Verregelten im Nationalstaat auf.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2020

In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

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