Ausgabe Oktober 2000

Finkelsteins Tabubruch

Der kleine Verlag Verso in New York versieht seine Bücher mit guten Klappentexten. Das macht es kritischen Rezensenten leicht, ohne Unfairness mitzuteilen, worum es dem New Yorker Professor Finkelstein in "The Holocaust Industry" geht: "In seiner tabubrechenden und kontroversen neuen Studie geht Norman G. Finkelstein von einer Befragung des Stellenwertes aus, den der Holocaust in der amerikanischen Kultur eingenommen hat, und gelangt zu einer bestürzenden Analyse der jüngsten Abkommen zur Holocaust-Entschädigung ...Aus einer Fülle bislang ungenutzter Quellen enthüllt er die doppelte Übervorteilung sowohl europäischer Länder wie auch rechtmäßiger jüdischer Anspruchsberechtigter und kommt zu dem Schluss, dass die Holocaust-Industrie zu einer ausgesprochenen Bande von Schutzgeld-Erpressern (an outright extortion racket) geworden sei." Die Unternehmer dieser Industrie sind dem Autor zufolge so ziemlich deckungsgleich mit dem Führungspersonal des amerikanischen Judentums. Ein Spitzenfunktionär des Jüdischen Weltkongresses, in dem schmalen Buch aufs Heftigste attackiert, hat in den "Tagesthemen" des Deutschen Fernsehens Finkelsteins Werk mit einem Four-Letter-Word qualifiziert, das in gesitteten US-Zeitungen nicht druckbar ist.

Eine Debatte ist das nicht.

Sie haben etwa 14% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 86% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema