Ausgabe September 2000

Wiederkehr der Fetische

Begriffs- und Ideenmoden im Bildungsdiskurs

In seinem letzten Roman erzählt Gustave Flaubert eine Geschichte, deren Aktualität sich aus heutiger Perspektive Leser wie von selbst herstellt: Ein gleichgeschlechtliches Paar in der Mitte des Lebens läßt, als einer der beiden eine nicht unbeträchtliche Erbschaft macht, Beruf und Alltag hinter sich und zieht aufs Land. Das Gefühl der Erlösung könnte nicht größer sein, das stattliche Anwesen, fast ein Schloß, ein Reich der Freiheit, über dem sich die Verheißungen von Selbsttätigkeit und Selbstverwirklichung erheben. Ja, Selbsttätigkeit: endlich alles selbst ausprobieren und erfahren dürfen. Wenn der Destillierkolben ihnen um die Ohren fliegt, wissen sie, daß sie jetzt Chemie lernen müssen, und wenn sie der menschlichen Verdauung auf die Schliche kommen wollen, experimentieren sie mit einem Stückchen Fleisch im Magensaft einer Ente. Eine einzige Lernwerkstatt! Lustvoll erobern sie so ein Wissensgebiet nach dem anderen und kleinere Zwischenfälle und Fehlschläge können sie keineswegs irritieren. "Darauf wandten sie ihre Aufmerksamkeit den Tieren zu. Sie schlugen wieder ihren Buffon auf und gerieten in Verzücken über den seltsamen Geschmack bestimmter Tiere.

Aber Bücherwissen ist nichts im Vergleich zur eigenen Erfahrung.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

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