Ausgabe Januar 2001

Staatszerfall in Westafrika

Die Grenze zwischen Demokratie und Barbarei ist zuweilen fließend. Jahrzehntelang galt die Elfenbeinküste, mächtigstes Land des frankophonen Westafrika, als Hort des Friedens und der Stabilität. Aber als Ende Oktober das Volk zum ersten Mal seinen Willen gegen eine renitente Miiltärregierung durchsetzte, erinnerten die begleitenden Gewalttaten sogleich an den ruandischen Genozid. Es waren regelrechte Pogrome, die am 26. und 27. Oktober in der Elfenbeinküste von Anhängern des frischgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo zusammen mit Polizei und Teilen des Militärs gegen Muslime und Angehörige der nordivoirischen Dioula-Ethnie verübt wurden. Die Berichte der Überlebenden gleichen Horrorgeschichten: Der Gastwirt kann nicht vergessen, wie die Polizei sein Restaurant anzündete; der junge Mann sagt aus, daß er nach seiner Festnahme in Stacheldraht eingewickelt wurde und man ihm befahl, sich innerhalb von drei Minuten selbst zu befreien, sonst werde er erschossen.

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Aktuelle Ausgabe März 2020

In der März-Ausgabe analysieren der Ökonom James K. Galbraith, der »Blätter«-Mitherausgeber Claus Leggewie und der Historiker Paul M. Renfro, wie die US-Demokraten Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November schlagen könnten. Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann plädiert für die Wiederaneignung des Nationenbegriffs, den sie nicht den Rechten überlassen möchte. Der Umweltaktivist Bill McKibben setzt auf die Kraft der Sonne und des gewaltfreien Protests, um die Klimakrise noch aufzuhalten. Und die Soziologin Christa Wichterich beobachtet eine neue Welle transnationaler feministischer Bewegungen im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit.

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