Ausgabe März 2001

Gewalt, Profit und Propaganda

Konturen des rechtsextremen Musik-Netzwerks

Skinheads - rechte Jugend-Subkultur - rechtsextreme Musik: einige Bezeichnungen für ein Phänomen, das derzeit Sicherheitsbehörden, Pädagogen und Sozialwissenschaftler gleichermaßen beschäftigt. Noch scheint unklar, worum es sich hierbei genau handelt. Manche Beobachter sehen die Musik der Neonazis bereits als bestimmenden Trend der Populärkultur: "Nazis sind Pop", titelt beispielsweise das Berliner Stadtmagazin "Zitty". Als Beleg für diese These werden erfolgreiche Interpreten wie Joachim Witt mit seinem Lied "Wann kommt die Flut" und Bands wie Rammstein oder die Böhsen Onkelz angeführt. Aus dieser Perspektive scheint der Mainstream der Jugend-Musikkultur immer stärker von rechtsextremen Inhalten dominiert. 1) Andere Autoren entdecken eine rechtsextreme Subkultur, die sie mit Attributen früherer Jugendszenen versehen. Hier drücke sich, ähnlich wie in der Vergangenheit bei Halbstarken, Rockern oder Punks, jugendlicher Protest und das Streben nach Autonomie und Selbstverortung in der Welt der Erwachsenen aus. Die Dynamik dieser Subkultur - bei der zunächst an die Skinheads gedacht wird müßte folglich mit ähnlichen Methoden und Ansätzen analysiert und erklärt werden wie andere Jugend-Subkulturen auch. Einer näheren Betrachtung halten diese Interpretationen nicht Stand.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2020

In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

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