Ausgabe Oktober 2001

Pragmatischer Realismus

Chinesische Außenpolitik zwischen Hegemonialstreben und wirtschaftlichen Zwängen

Angesichts massiver Spannungen zwischen der aufstrebenden Großmacht in Ostasien und den USA stellt sich die Frage, wie China mit seinem wachsenden politischen und wirtschaftlichen Gewicht in die internationale Gemeinschaft integriert werden kann. Eine genauere Betrachtung der chinesischen Außenpolitik zeigt, daß sich hinter der Fassade nationalistischer Parolen in der Regel ein äußerst pragmatisches und ergebnisorientiertes Handeln feststellen läßt. Im Hinblick auf die deutsch- und europäisch-chinesischen Beziehungen bieten sich dadurch vielfältige Möglichkeiten der Kooperation. Chinas außenpolitischer Kurswechsel 1978 folgte der innenpolitischen Notwendigkeit, nach dem desaströsen Scheitern des maoistischen Entwicklungsmodells eine umfassende Modernisierung einzuleiten. Es galt zunächst, ein friedliches außenpolitisches Umfeld zu schaffen, um kostspielige Rüstungsanstrengungen zurückfahren zu können. Weiterhin sollte das Land so weit wie nötig in die Weltwirtschaft integriert werden, um ausländisches Kapital und internationale Technologie anzuziehen und für den Aufbau der Binnenwirtschaft zu nutzen.

Beides ist gelungen.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2020

In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

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