Ausgabe Oktober 2001

Transatlantische Störungen

Blätter-Gespräch mit Andrei S. Markovits

Die Reaktionen in Deutschland sind auf den ersten Blick sehr bewegend. Bundeskanzler Gerhard Schröder hält, neben Tony Blair, die weitaus einfühlsamste Rede eines europäischen Staatsmannes zu der schrecklichen Katastrophe vom 11. September 2001. Der Bundestag widmet sich der Schandtat in einer eindrucksvollen Sitzung, an öffentlichen Gebäuden wurde Halbmast geflaggt, Gewerkschaften und Arbeitgeber verständigen sich auf eine fünfminütige Arbeitsunterbrechung zum Gedenken an die sicherlich Tausende Opfer in New York, Washington und Pennsylvania. Doch gerade mal einen Tag nach diesem beispiellosen Anschlag gegen die Vereinigten Staaten werden erste Stimmen laut, die darauf hinweisen, daß bei der sicherlich anstehenden Erwiderung auf die Angriffe die Europäer eher für Sorgfalt, Überlegtheit und Bedachtsamkeit stehen, während die Amerikaner, wie könnte es anders sein, allein auf Rache und Zerstörung aus seien. Die Katastrophe wird die seit langem spürbare Mißstimmung zwischen Europa und Amerika eine Zeitlang übertünchen, sie aber kaum beseitigen. Sobald die USA handeln, egal wann und wo und was sie tun, werden die Europäer die zwischenzeitliche Konkordanz aufkündigen. Die Tragödie des 11. September war ein Angriff auf die Vereinigten Staaten.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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