Ausgabe April 2002

Kirchs Fall

Ist Leo Kirch bankrott? Wie lange kann sich der hoch verschuldete Medientycoon noch halten? Wer gehört zu den Gewinnern, wer zu den Verlierern im deutschen Medienmonopoly? Kein Thema hat die Medienszene in den letzten Jahren so elektrisiert wie der drohende Zusammenbruch eines der größten deutschen Film- und TVUnternehmen. Die Berichterstattung überschlägt sich seit Wochen, oft weniger mit Fakten angereichert denn mit Spekulationen. Mitspieler gibt es reichlich: Banken, Medienkonzerne und nicht zuletzt die Politik, die zwar ungern selbst als womöglich scheiternder Retter auftreten will, aber im Hintergrund die Fäden zu ziehen versucht. Und über diesem deutschen Spielplan dräut der angloamerikanisch-australische Medienunternehmer Rupert Murdoch, von den meisten als Bedrohung, von den wenigsten als "weißer Ritter" angesehen.

Die wichtigste Rolle spielen derzeit die Banken: Mindestens 6,5 Mrd. Euro an Kreditschulden hat die Kirch-Gruppe angehäuft, verteilt auf alle wichtigen deutschen Geldinstitute, die versuchen, für das eigene Haus möglichst viel zu retten. Die Partnerschaften zwischen den Banken wechseln und überzeugen wenig. Dem Jongleur Leo Kirch ist das Spiel mit Beteiligungen und Allianzen, Verschachtelungen und Versprechungen entglitten.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2020

In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Ein Jahr der Erkenntnisse

von Blätter-Redaktion

Für den deutschen Journalismus war 2019 ein annus horribilis. Zunächst bescherte die Affäre um den ehemaligen „Spiegel“-Reporter Claas Relotius den Medien einen weiteren erheblichen Glaubwürdigkeitsverlust.