Ausgabe Februar 2002

Afghanistan nach Petersberg

Die amtierende Regierung Afghanistans kam am 5. Dezember 2001 unter der Federführung der UN auf dem Petersberg bei Bonn zustande. Die Bundesregierung war nicht nur Gastgeber der vier afghanischen Delegationen und der zahlreichen internationalen Beobachter, sondern hatte auch als erste einen Sieben-Punkte-Plan zur Zukunft Afghanistans vorgelegt. Vertreten waren Monarchisten und Mudschaheddinführer, die sich aus dem langjährigen Bürgerkrieg kannten: die Rom-Gruppe mit den Anhängern von Ex-König Sahir, darunter Schwiegersohn und Enkel, die Nordallianz mit den Mudschaheddin von der Dschamiat-Islami des damaligen Präsidenten Burhanuddin Rabbani, die Zypern-Gruppe unter der Leitung von Humayun Dscharir, einem Schwiegersohn des kaum von den Taliban zu unterscheidenden Fundamentalisten Gulbuddin Hekmatyar, der erst kürzlich in einem "Spiegel"-Interview Osama Bin Laden als einen guten Kumpel bezeichnet hat, und die Peschawar-Gruppe unter der Leitung von Abdul Hamid Gailani, Sohn des Aristokraten und Mudschaheddinführers Sayed Ahmed Gailani, ebenfalls Verwandter von Sahir Schah.

Es waren größtenteils die Kräfte versammelt, die 1992-96 an der Zerstörung Kabuls tatkräftig mitgewirkt haben, wobei an die 50 000 Zivilisten umkamen. Unter den internationalen Beobachtern waren allein die Vereinigten Staaten mit 20 Personen vertreten.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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