Ausgabe November 2002

Mazedonische Hausaufgaben

Am 15. September waren 1 664 296 wahlberechtigte Bürger der Republik Mazedonien aufgefordert, ein neues Parlament zu wählen. Nach Ansicht heimischer und internationaler Beobachter erbrachte die Wahl drei „Rekorde“: Zum Ersten gaben 1 216 339 Wähler ihre Stimme ab, was eine für balkanische Verhältnisse enorme Wahlbeteiligung von 75,2% ergibt. Zum Zweiten waren es die „friedlichsten Wahlen der vergangenen zwölf Jahre“, wie der bisherige Ministerpräsident Ljupčo Georgievski sagte. Niemand widersprach ihm. Und zum Dritten hat die mazedonische Öffentlichkeit mit Seelenruhe den Fortgang der Ereignisse hingenommen, was so nicht zu erwarten gewesen war.

Zudem verblüffte das Wahlergebnis in seiner Eindeutigkeit. Bereits wenige Stunden nach Schließung der Wahllokale räumte Georgievski die Niederlage seiner Koalition – bestehend aus seiner gemäßigt nationalistischen VMRO-DPMNE, Stojan Andovs Liberalen (LPM) und Arben Xhaferis Demokratischer Partei der Albaner (DPA) – unumwunden ein. Dreieinhalb Jahre musste die Regierung mit dem Vorwurf wirtschaftspolitischer Inkompetenz leben, im letzten halben Jahr legte sie noch einen furiosen Endspurt hin und schüttete über dem Land ein Füllhorn von Investitionen, Bauten, Reformen (zum Beispiel Abbau der staatlichen Bürokratie), Wiedergutmachungen (von Enteignungen aus der Tito-Ära) etc.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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