Ausgabe September 2002

In schlechter Gesellschaft

Horrorszenarien aus der Albtraumfabrik: Terroristen haben sich in Syrien eine von der israelischen Armee liegen gelassene (!) Neutronenbombe besorgt und zerstören damit die Stadt Baltimore. Der Verdacht soll auf die neue russische Regierung fallen, die sich nach dem ungeklärten Tod ihres Präsidenten anscheinend nicht mit der Vorherrschaft der USA abfinden kann. Der CIA-Chef setzt einen jungen Beamten auf die Sache an, und in einer von Russland unterstützten Aktion wird die Terrorgruppe unschädlich gemacht (Sum of All Fears, dt. Der Anschlag, Phil Alden Robinson 2002). New York kann in letzter Minute vor einem Atomangriff bewahrt werden, weil der von Terroristen bei einer Suchaktion getötete CIA-Agent durch seinen Zwillingsbruder ersetzt wird und die Terroristen dingfest machen kann (Bad Company, Joel Schumacher 2002).

Gleich nach 9/11 zog Hollywood mehrere fertige oder in Arbeit befindliche Katastrophenfilme zurück - zu sehr ähnelten ihre Plots dem, was nun plötzlich Wirklichkeit geworden war. Filme wie World War III des Produzenten Jerry Bruckheimer oder Nose Blead (ein einfacher Fensterputzer vereitelt im letzten Moment einen Anschlag auf die Türme des World Trade Centers) wurden aufgegeben, der Start von Collateral Damage mit Arnold Schwarzenegger zunächst abgesagt.

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Aktuelle Ausgabe März 2020

In der März-Ausgabe analysieren der Ökonom James K. Galbraith, der »Blätter«-Mitherausgeber Claus Leggewie und der Historiker Paul M. Renfro, wie die US-Demokraten Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November schlagen könnten. Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann plädiert für die Wiederaneignung des Nationenbegriffs, den sie nicht den Rechten überlassen möchte. Der Umweltaktivist Bill McKibben setzt auf die Kraft der Sonne und des gewaltfreien Protests, um die Klimakrise noch aufzuhalten. Und die Soziologin Christa Wichterich beobachtet eine neue Welle transnationaler feministischer Bewegungen im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit.

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