Ausgabe März 2003

Auf der Bühne des theatralischen Militarismus

Amerika und die wahren Mächte der Welt

In diesen Tagen und Wochen erscheinen die Vereinigten Staaten mächtiger, einflussreicher, durchsetzungsfähiger denn je. Als Präsident der „einzig verbliebenen Supermacht“ kann George W. Bush Ergebenheitsadressen von Staatsmännern wie Aznar, Blair oder Berlusconi entgegennehmen. Wen der Bannstrahl des US-Präsidenten trifft, wie den deutschen Bundeskanzler, von dem rücken nicht wenige ab wie von einem Aussätzigen. Hubert Védrine, Lionel Jospins Außenminister, steigerte die Supermacht zur „Hyperpuissance“. Sein Landsmann Emmanuel Todd, renommierter Demograph und Historiker, sieht das ganz anders. Unter dem Titel „Après L’Empire“ veröffentlichte er im vergangenen Herbst einen „Essai sur la décomposition du système américain“, der seither auf Frankreichs Bestsellerlisten steht. Todd versucht nachzuweisen, dass die USA auf Grund abnehmender, nicht etwa wachsender Stärke handeln, wenn sie „Schurkenstaaten“ brandmarken und bekriegen. Seine Kernthese: „Der demonstrative Militarismus Amerikas, der dazu dienen soll, die militärische Unterlegenheit aller anderen Akteure weltweit vorzuführen, hat schließlich die wahren Mächte der Erde beunruhigt und sie zur Annäherung veranlasst: Europa, Japan und Russland.“ In diesen Tagen erscheint Todds Studie auf Deutsch: „Weltmacht USA.

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Aktuelle Ausgabe März 2020

In der März-Ausgabe analysieren der Ökonom James K. Galbraith, der »Blätter«-Mitherausgeber Claus Leggewie und der Historiker Paul M. Renfro, wie die US-Demokraten Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November schlagen könnten. Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann plädiert für die Wiederaneignung des Nationenbegriffs, den sie nicht den Rechten überlassen möchte. Der Umweltaktivist Bill McKibben setzt auf die Kraft der Sonne und des gewaltfreien Protests, um die Klimakrise noch aufzuhalten. Und die Soziologin Christa Wichterich beobachtet eine neue Welle transnationaler feministischer Bewegungen im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit.

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