Ausgabe Juli 2007

Doing Business mit der Weltbank

„Schock-Bericht der Weltbank – Deutschland sozialistischer als China“, so titelte die „Bild“-Zeitung. Sie kommentierte damit den „Doing-Business- Report 2007“ der Weltbank-Tochter International Financial Corporation (IFC), der seit 2003 jährlich eine Rangfolge jener Länder aufstellt, in denen private Unternehmen den geringsten Beschränkungen unterliegen. Je weniger Regelungen, desto besser für das Geschäftsleben – so die schlichte Weisheit des Berichts. Die Meldung der „Bild“- Zeitung bezog sich allerdings nur auf einen der zehn erfassten Regulierungsbereiche, den Arbeitsmarkt. Dort wird untersucht, wie leicht Unternehmen Arbeitskräfte einstellen und entlassen können, welche Kosten bei Entlassungen entstehen und wie strikt die Arbeitszeit geregelt ist. 2007 erreicht die Bundesrepublik dabei „nur“ Platz 129 (von 175 Ländern), während China auf Platz 78 steht. Das heißt in China ist das „Heuern und Feuern“ angeblich leichter als in Deutschland, ergo: China ist unternehmerfreundlicher als die Bundesrepublik.

Ein solcher Vergleich ist natürlich blanker Unsinn, weswegen der Doing- Business-Report in den Industrieländern bislang wenig ernst genommen wird. Zwar wird er gelegentlich von Medien und Politikern in propagandistischer Absicht zitiert, um die „Reformfreudigkeit“ oder „Reformfeindlichkeit“ einer Regierung zu apostrophieren.

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