Ausgabe Juni 2007

Globalisierung und Geschlecht

Über neoliberale Strategien zur Gleichstellung

In den internationalen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit, die seit den 70er Jahren Vorreiter für frauenpolitische Maßnahmen waren, hat sich eine „Gender-Müdigkeit“ breitgemacht. Gender Mainstreaming als Strategie, die einen geschlechterdifferenzierenden Ansatz in allen Institutionen und politischen Ressorts verankern soll, hat Geschlechterpolitik als Verfahren institutionalisiert – und gleichzeitig entpolitisiert. Frauenbewegungen sind fragmentiert und meist leise geworden. Ihr Fazit zur Umsetzung der Beschlüsse der Vierten Weltfrauenkonferenz von Peking im Jahre 19951 ist ambivalent: Während viele Länder zivile und politische Rechte von Frauen, vor allem auch den Schutz vor Gewalt, in ihrer Gesetzgebung festschrieben, gerieten soziale und wirtschaftliche Rechte durch die global verschärfte Standortkonkurrenz, Sparzwänge im öffentlichen Sektor und Finanzmarktkrisen zunehmend unter Druck.2

Trotzdem werden Frauen immer wieder als die Job-Gewinnerinnen der Globalisierung gefeiert. Tatsächlich verändert die globale Restrukturierung der Wirtschaft die Geschlechterrollen. Doch empirische Daten stellen in Zweifel, ob dies einen signifikanten Mehrwert für Geschlechtergerechtigkeit gebracht hat.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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