Ausgabe Dezember 2013

»Hier bin ich Mensch, hier greif' ich ein«

Was Schriftsteller bewirken können - ein Erfahrungsbericht

Geist und Macht – ein oft und immer wieder kontrovers diskutiertes Thema. Lässt sich schreibend auf Politik und Gesellschaft Einfluss nehmen? Wenn es dabei um die Wirkung von Büchern geht, dann sollten eigentlich Leser darüber befinden. Denn Autoren neigen zwangsläufig, schon um ihre Schreibmotivation nicht zu verlieren, zu der Annahme von ziemlich großer Wichtigkeit ihres Tuns. In meinem Alter kann man sich langsam Ernüchterung leisten – mein Glauben an die Wirksamkeit von Literatur hält sich in überschaubaren Grenzen. Was nicht heißt, dass ich mich durch Befunde anderer nicht gern auch ermutigen lasse.

„Das Einzige, was Kunst kann, ist Sehnsucht wecken nach einem anderen Zustand der Welt. Und diese Sehnsucht ist revolutionär.“[1] So war Heiner Müller überzeugt, der selbst erfahren hatte, was es bedeutet, erst verboten, dann in Ost und West kulthaft verehrt und meistgespielt zu sein, um bei gewendeter Lage auch wieder angegriffen und denunziert zu werden.

Solange es Literatur gibt, so lange gibt es dieses utopische Potential einer menschlicheren Gesellschaft. Und so lange haben Mächtige sich vor Schriften gefürchtet, haben Zensoren eingesetzt, Ketzer inquisitorisch verfolgt. Bis hin zum barbarischen Bücherverbrennen durch die Nazis, beschämend bis heute. Auch Kurt Tucholskys Schriften gingen in den Flammen auf.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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