Ausgabe Dezember 2016

»Lasst sie doch absaufen«, Teil 2

Das Versagen des Nordens und die Ausweitung der Opferzone

Bild: CC0 Public Domain

Oft wird der Klimawandel der „menschlichen Natur“ angelastet oder der angeborenen Gier und Kurzsichtigkeit unserer Gattung. Oder man sagt uns, wir hätten unsere Umwelt so massiv und mit derart globalen Auswirkungen verändert, dass wir jetzt eben im Anthropozän lebten – dem Erdzeitalter des Menschen. In solchen Erklärungen der herrschenden Zustände schwingt eine ganz bestimmte, wenngleich unausgesprochene Botschaft mit: nämlich dass die menschliche Natur auf eine Formel reduziert werden kann, derzufolge diese Krise zwangsläufig aus ihr hervorgeht. Die Systeme, die bestimmte Mitglieder der Gattung Mensch geschaffen haben und denen andere sich energisch widersetzten, bleiben dabei gänzlich ausgeblendet – Systeme wie Kapitalismus, Kolonialismus oder das Patriarchat.

Dagegen hat es – glaubt man solchen Diagnosen – menschliche Systeme, die das Leben ganz anders organisierten, niemals gegeben: Systeme, die den Menschen abverlangen, sieben Generationen weit vorauszudenken, und fordern, dass sie nicht allein gute Bürger, sondern kommenden Generationen auch gute Ahnen und Erblasser sein sollten; Systeme, in denen die Menschen nicht mehr verbrauchen dürfen, als sie tatsächlich benötigen, und der Umwelt ihrerseits etwas zurückgeben müssen, um deren Regenerationszyklen zu schützen und zu bereichern.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2020

In der März-Ausgabe analysieren der Ökonom James K. Galbraith, der »Blätter«-Mitherausgeber Claus Leggewie und der Historiker Paul M. Renfro, wie die US-Demokraten Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November schlagen könnten. Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann plädiert für die Wiederaneignung des Nationenbegriffs, den sie nicht den Rechten überlassen möchte. Der Umweltaktivist Bill McKibben setzt auf die Kraft der Sonne und des gewaltfreien Protests, um die Klimakrise noch aufzuhalten. Und die Soziologin Christa Wichterich beobachtet eine neue Welle transnationaler feministischer Bewegungen im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Zieht doch nach Duisburg!

von Utta Seidenspinner

Mit einem Mietendeckel will der rot-rot-grüne Berliner Senat die Hauptstädter entlasten: So sollen Vermieter nicht mehr als 30 Prozent des Haushaltseinkommens verlangen dürfen. Das aber geht am Problem vorbei, argumentiert die Journalistin Utta Seidenspinner. Wer Mieter schützen will, muss grundsätzlichere Lösungen finden.