Ausgabe Januar 2019

Die verlockende Utopie der Gene

Vor wenigen Wochen titelte die „Zeit“: „Sie werden, was sie sind. Eltern können auf die Persönlichkeit ihrer Kinder kaum Einfluss nehmen. Jahrzehntelange Forschungen zeigen: Die wichtigsten Charaktermerkmale von Menschen sind von der Geburt an festgelegt.“[1] Oder: „Was wird aus mir? Wissenschaftler können aus den Genen so viel vorhersagen wie noch nie, sogar schon bei Neugeborenen – Intelligenz, Gewicht, Gesundheit.“[2]

Der Autor des ersten Textes, Robert Plomin, dem die „Zeit“ hier eine Bühne gibt, ist ein Humangenetiker der alten Schule. Seine These: Der Mensch ist genetisch determiniert, seine Eigenschaften sind bereits in den Genen festgelegt. Im führenden naturwissenschaftlichen Magazin „nature“ wird er wegen solcher Ansichten scharf kritisiert. Denn die moderne Humangenetik ebenso wie die Neurowissenschaften schätzen den Anteil der Umwelteinflüsse für die Entwicklung des Menschen zunehmend höher ein. Das aber scheint in der „Zeit“ nicht angekommen zu sein. Die inzwischen sehr solide Diskussion zu den Wechselbeziehungen individueller und sozialer Determinanten findet dort kein Gehör.

Als ob das nicht genügt, legt das Wissensressort der „Zeit“ in einer Folgeausgabe nach. Wir sollten Verständnis haben, wenn bestimmte Menschen in ihrer Entwicklung limitiert sind.

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In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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