Ausgabe März 2019

Im Süden nichts Neues

Die Rolle Deutschlands im Zeitalter der neuen Stellvertreterkriege

Angesichts der Aufkündigung des INF-Vertrages[1] ist dieser Tage oft vom definitiven Ende des Kalten Krieges die Rede. Für erhebliche Teile der Welt trägt der Kalte Krieg jedoch zu Unrecht seinen Namen – damals wie heute. Denn schon vor 1989 war der vermeintliche Kalte Krieg in vielen Teilen der Welt alles andere als kalt. Und diese vielen „heißen“ Kriege im globalen Süden endeten keineswegs mit dem Ende des angeblichen Kalten Krieges. Sie lebten und leben in anderer Form bis heute weiter oder sogar wieder auf. Auf dramatische Weise prägen sie nach wie vor die gegenwärtige geopolitische Situation – und das nicht nur im Nahen Osten. Dabei war die Zeit unmittelbar nach dem „Kalten Krieg“ tatsächlich eine der wenigen jüngeren geschichtlichen Epochen, aus der konkrete Möglichkeiten zur Realisierung einer gerechteren und friedlicheren Welt hervorgingen. Nach Jahren des friedlichen Widerstands konnten in Ostdeutschland – und im gesamten mittel- und osteuropäischen Raum – endlich Gesellschaftsordnungen etabliert werden, die auf freiheitlichen Bürgerrechten basieren. Das „Gleichgewicht des atomaren Schreckens“ – oder, in der Sprache der internationalen Beziehungen, die Doktrin der „garantierten gegenseitigen Zerstörung“ – schwebte nicht mehr wie ein Damoklesschwert über der Weltbevölkerung.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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