Bild: Das Gemälde des Narcissus von Michelangelo Merisi da Caravaggio im Museum Barberini, 6.10.2019 (IMAGO / Camera4)
Oft heißt es, verantwortlich für den Aufstieg der Rechten sei das Versagen der demokratischen Parteien. Doch der Rechtsruck ist auch Ausdruck einer kulturellen Krise. Bürgerschaftliches Ethos weicht ungehemmt ausgelebtem Narzissmus – vor allem im AfD-Milieu.
Die Frage, warum Rechtspopulisten so stark sind, wird üblicherweise mit Fehlleistungen und Versäumnissen der demokratischen Parteien beantwortet – eine auf den ersten Blick plausible Erklärung, die von einfältigen Politikern sogar selbst beglaubigt wird, etwa wenn sie behaupten, man könne die AfD durch bessere Politik »wegregieren« (Alexander Dobrindt). Es handelt sich um eine Art demokratischer Selbstbezichtigung, aber nicht der eigenen Person und Partei, sondern derer, die es bisher angeblich zu schlecht gemacht hätten. Der populistische Subtext für das Wahlvolk lautet: An Euch liegt es nicht, Ihr seid eigentlich okay und habt Euch mit der AfD nur leider mal verwählt, weil ihr enttäuscht und getäuscht wurdet. Nun aber bringen wir Guten alles wieder in Ordnung und entziehen verständlicher »Protestwahl« für die Extremisten den Nährboden. Der demokratische Populist macht sich so zum Tribunal, dem man entkommt, indem man es wird1 – was allerdings nur funktioniert, wenn man in der Opposition ist oder erst kurz an der Regierung und sich mit »Erblasten« herauszureden vermag.