Ausgabe April 2000

Common sense als Korrektiv?

Vielleicht ist es - mehr als die Krise selbst - die Halsstarrigkeit der Protagonisten, die das Publikum über tiefer greifende Konsequenzen aus der Affäre um die Parteienfinanzierung nachdenken lässt. Der frühere Bundeskanzler beharrt, nach dem zerknirschten Eingeständnis, das Parteiengesetz gebrochen zu haben, trotzig auf seinem Ehrenwort. Sein einstiger Innenminister, statt Reue zu zeigen, zeigt die Medien einer "Hetzjagd". Selbst die am Skandal eigentlich unbeteiligte hessische FDP-Chefin Ruth Wagner zeigt auf dem Höhepunkt der Krise ausgerechnet die Symptome, von denen sie sich nach der Erfahrung mit dem CDU-Patriarchat tunlichst frei machen sollte: Sie klammert sich an die Macht wie ein Kind an das lieb gewonnene Spielzeug. Ein solches Maß an Uneinsichtigkeit offenbart ein Politikverständnis, das den Bürger auf die hinteren Ränge verbannt hat. Kein Wunder also, dass die Öffentlichkeit darüber nachdenkt, ob Politik wirklich eine Monopolveranstaltung der Parteien bleiben muss.

Fast zwingend gerät dabei der Souverän ins Blickfeld. Der Ruf nach mehr direkter Demokratie wird laut.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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