Es war eine Szene wie aus einem Hollywoodstreifen. Der US-Präsident rief in der ersten großen Internet-Krise die nationale Computerelite zusammen: Ordensgeschmückte Offiziere, finstere Agenten und Computer-Hacker, die ihre Frisur offensichtlich seit Woodstock nicht geändert haben. Es sei "kein Pearl Harbor" gewesen, so Bill Clintons nicht wirklich auf Entwarnung angelegte Zusammenfassung am nächsten Tag. Medienwirksam wurde ein Milliarden-Dollar-Programm zur Erhöhung der Internet-Sicherheit versprochen. In Deutschland zog Innenminister Schily nach und verkündete den Aufbau einer "Internet Task Force" aus BKA, Innenministerium und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Ein Schnellschuß, der weder der polizeilichen Praxis noch den Anforderungen des Datenschutzes gerecht wird, aber die verstörte Öffentlichkeit zunächst beruhigen konnte. Was war geschehen? Zuerst wurde das Flaggschiff der Online-Branche versenkt: Der milliardenschwere Suchdienst Yahoo ging für einige Stunden aus dem Netz. Dann kamen andere führende E-Commercer an die Reihe, in einer Zwischenbilanz reklamierte die Branche einen Schaden von 1,2 Mrd. US-Dollar. Auch in den folgenden Wochen meldeten Firmen Angriffe, unter anderem ein Internet-Broker und Microsoft.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.