Ausgabe Januar 2000

Das deutsche Modell als Ausweg.

Die sino-taiwanesischen Beziehungen am Ende der 90er Jahre

Nach dem Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder in der Volksrepublik China im November 1999 steht es um das deutsch-chinesische Verhältnis offensichtlich zum Besten. Sowohl auf deutscher als auch auf chinesischer Seite wurde die ehrliche und offene Atmosphäre gelobt, mit der die politischen Führungen beider Staaten über das Verbindende, aber auch über das sie Trennende sprachen nicht zuletzt bei den Menschenrechten. 1) Nicht auf der Tagesordnung stand die Erörterung der Taiwanfrage. Dies mag niemanden wirklich überraschen, denn der kleine Inselstaat gehört nach offizieller deutscher Auffassung politisch und territorial zu China. China wiederum wird durch die VR China repräsentiert, jedenfalls nach Auffassung der großen Mehrheit der internationalen Staatengemeinschaft, die den Souveränitätsanspruch Beijings gegenüber seiner sogenannten Renegatenprovinz unterstützt, auch wenn man stets den Wunsch nach einer friedlichen Lösung der Taiwanfrage zu Protokoll gibt. Die Republik China - so die offizielle Staatsbezeichnung Taiwans - ist dagegen außenpolitisch isoliert. 2) Trotz seiner diplomatischen Isolierung wahrt Taiwan seit dem Ende des chinesischen Bürgerkriegs 1949, als die Reste des nationalistischen Guomindang-Regimes unter Chiang Kai-shek auf der Flucht vor den Truppen Mao Zedongs auf die Insel übersetzten, eine Defacto-Eigenstaatlichkeit.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Euphorie und Ernüchterung: Bangladesch nach dem Aufstand

von Natalie Mayroth, Dil Afrose Jahan

Im September fanden an der Universität Dhaka, einer der wichtigsten Hochschulen Bangladeschs, Wahlen zur Studentenvereinigung statt. Manche sehen sie als Testlauf für die nationalen Wahlen. Daher ist es ein Warnsignal, dass dort ausgerechnet der Studentenflügel der islamistischen Jamaat-e-Islami gewann.