Ausgabe Juni 2000

Kiew im Abseits

Im deutschen und westeuropäischen öffentlichen Bewußtsein ist die Ukraine mit knapp 50 Millionen Einwohnern immerhin eines der größten Länder in Europa - kaum präsent. Zwischen Rußland einerseits und den EU-Beitrittskandidaten vom Baltikum bis Rumänien andererseits liegt sie im Schatten der Aufmerksamkeit. Anders als die Balkanregion oder auch Weißrußland ist sie bisher auch nicht als besondere Bedrohung für die Stabilität und Sicherheit Europas ins Bewußtsein gerückt. Besonders seit Mitte der 1990er Jahre hat ein zunehmender Differenzierungsprozeß in Mittel- und Osteuropa stattgefunden: Während Polens Bruttoinlandsprodukt bereits seit 1992 wieder wächst und mittlerweile rund 120% des Wertes von 1989 erreicht hat, ist die Wirtschaftsleistung der Ukraine immer weiter gefallen - derzeit liegt das BIP bei 35% des Niveaus von 1989. Historisch existierende Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung Mittelund Osteuropas haben sich deutlich verstärkt, und auch die politische Entwicklung verläuft in den GUS-Ländern schwieriger. In Rußland, der Ukraine und Moldova funktioniert die Demokratie mehr schlecht als recht, Weißrußland hat seit 1996 eine Wende zur Autokratie vollzogen.

Die EU hat sich in der Agenda 2000 das Ziel gesetzt, g a n z Europa dauerhaft stabil, sicher und prosperierend zu machen.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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