Ausgabe Mai 2000

Am Scheideweg

Zur Situation der Atlantischen Gemeinschaft

Die Beziehungen zwischen Westeuropa und den USA sind viel schlechter als sie aussehen. Ihr gesellschaftlich-wirtschaftliches Fundament ist in Ordnung, aber in der politischen Architektur vermehren sich die Risse. In diesem Sommer könnten sie sich zum Spalt erweitern. Denn voraussichtlich im Juni wird der amerikanische Präsident Clinton den Bau eines Raketenabwehrsystems bekannt geben und damit die amerikanische Sicherheit von der Europas trennen. Westeuropa seinerseits, das sich vom Dollar verabschiedet und den Euro zu dessen Konkurrenten aufgebaut hat, kündigt mit dem 1999 nun endgültig beschlossenen Aufbau einer eigenen Militärmacht die amerikanische Hegemonie. In beiden Prozessen geht es um die Machtverteilung in der Atlantischen Gemeinschaft. Solche Wandlungen sind immens konfliktträchtig. Werden sie nicht achtsam gesteuert, kann die überfällige Neuverteilung der Macht in der Atlantischen Gemeinschaft zu deren Zerfall führen. Daran kann niemand interessiert sein. Die amerikanisch-europäische Verbindung ist für beide Seiten und für die Weltpolitik viel zu wichtig, als daß ihre Beschädigung durch die Machtinteressen von Politikern und Bürokraten - allesamt nur Angestellte der Souveräne, der Gesellschaften - hingenommen werden könnte.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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