Das mußte ja so kommen. Um seinen mehr als fragwürdigen Umgang mit den Finanzen der CDU aus dem öffentlichen Bewußtsein zu verdrängen, läßt sich Helmut Kohl als "Kanzler der Einheit" feiern. Damit transportiert er gleich zwei Mythen: den Mythos, ohne ihn hätte es die deutsche Einheit nicht gegeben, und den Mythos, allein der Weg zur Einheit, den er bestimmt hat, sei gangbar gewesen. Um die Anmaßung abzuwehren, die in einem solchen Anspruch steckt, genügt es freilich nicht zu beteuern, die Einheit gehöre niemandem allein, sondern allen Deutschen.
(aus: »Blätter« 11/2000, Seite 1384-1393)
Themen: Ostdeutschland, Demokratie und Wirtschaft