Ausgabe Juni 2001

Verantwortung für Europa

Leitantrag für den SPD-Bundesparteitag, vorgestellt am 30.April 2001 (Auszüge)

Mit Blick auf den Kongreß der europäischen sozialdemokratischen Parteien Anfang Mai in Berlin unterbreitete die SPD am 30. April 2001 den Entwurf eines Leitantrags "Verantwortung für Europa", der beim Nürnberger Bundesparteitag im November d.J. beraten werden soll. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte ausdrücklich die Verantwortung für das Papier reklamiert, in dem eine förderalistisch integrierte Europäische Union entworfen wird. Schröders Vorschläge sehen u.a. den Ausbau der EU-Kommission zu einer europäischen Regierung, die Umwandlung des Europäischen Rates in eine Staatenkammer und die Stärkung des Europäischen Parlaments vor, dem die Budgethoheit zuerkannt werden soll. Schröder tritt für eine klare Aufgabenverteilung zwischen der EU und den Mitgliedsländern ein, was etwa im Bereich der Agrarpolitik eine Rückübertragung von Zuständigkeiten auf die Mitgliedstaaten bedeuten würde. Die SPD setzt damit hinsichtlich der institutionellen Veränderungen deutlich andere Akzente als Außenminister Joschka Fischer, der am 12. Mai vorigen Jahres ausführlich seine Vorstellungen einer Europäischen Föderation dargelegt hatte ("Gedanken über die Finalität der europäischen Integration», dokumentiert in "Blätter", 6/2000).

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.

»10-Millionen-Schweiz«: Mauern gegen die Polykrise

von Cédric Wermuth

Am 14. Juni stimmt die Schweiz per Referendum über eine Initiative ab, die europaweit Schule machen könnte. Unter dem Titel »Keine 10-Millionen-Schweiz« verlangt die rechtsnationalistische Schweizerische Volkspartei die Einführung eines Bevölkerungsdeckels in der Verfassung.