Ausgabe April 2002

Kirchs Fall

Ist Leo Kirch bankrott? Wie lange kann sich der hoch verschuldete Medientycoon noch halten? Wer gehört zu den Gewinnern, wer zu den Verlierern im deutschen Medienmonopoly? Kein Thema hat die Medienszene in den letzten Jahren so elektrisiert wie der drohende Zusammenbruch eines der größten deutschen Film- und TVUnternehmen. Die Berichterstattung überschlägt sich seit Wochen, oft weniger mit Fakten angereichert denn mit Spekulationen. Mitspieler gibt es reichlich: Banken, Medienkonzerne und nicht zuletzt die Politik, die zwar ungern selbst als womöglich scheiternder Retter auftreten will, aber im Hintergrund die Fäden zu ziehen versucht. Und über diesem deutschen Spielplan dräut der angloamerikanisch-australische Medienunternehmer Rupert Murdoch, von den meisten als Bedrohung, von den wenigsten als "weißer Ritter" angesehen.

Die wichtigste Rolle spielen derzeit die Banken: Mindestens 6,5 Mrd. Euro an Kreditschulden hat die Kirch-Gruppe angehäuft, verteilt auf alle wichtigen deutschen Geldinstitute, die versuchen, für das eigene Haus möglichst viel zu retten. Die Partnerschaften zwischen den Banken wechseln und überzeugen wenig. Dem Jongleur Leo Kirch ist das Spiel mit Beteiligungen und Allianzen, Verschachtelungen und Versprechungen entglitten.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.