Ausgabe Dezember 2002

Die Zivilmacht Europa bleibt Projekt

Zur Debatte um Kagan

Amerika zimmert an einer neuen Weltordnung, und den Europäern läuft es kalt über den Rücken. Auf den Meinungsseiten der US-Medien und in den Think Tanks zirkulieren Visionen einer weltumspannenden Pax Americana, wie diejenige von Robert Kagan (nachzulesen in den Oktober-„Blättern“) oder von Ronald D. Asmus und Kenneth M. Pollack (im vorliegenden Heft). Und am 20. September dieses Jahres präsentierte die Bush-Administration mit der Nationalen Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten von Amerika1 (NSS 2002) offiziell ihre Vorstellung von einer neuen amerikanischen Welt- Ordnungspolitik.

Gemeinsam ist all diesen Texten und Visionen das Selbstbewusstsein überlegener Machtfülle und zumeist auch ein gewisser imperialer Duktus: Amerika, in Augenhöhe mit dem Römischen Reich. Grenzenloses Selbstvertrauen, aber zugleich ein tief sitzendes Gefühl der Verunsicherung bestimmen heute die außenpolitische Diskussion in Amerika. In Europa dagegen beherrschen Selbsttäuschung und Kleinmut die Szene.

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In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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