Ausgabe Juli 2002

Deutsches Opferzentrum

Gegenwärtig erleben die Vertriebenenverbände ihren zweiten Frühling. Was mit den Fernsehserien "Die Vertriebenen. Hitlers letzte Opfer" (ARD) und "Die große Flucht" (ZDF) im vergangenen Jahr begann, fand seine Fortsetzung in dem breiten Medienecho auf die Novelle "Im Krebsgang" von Günter Grass sowie in der Diskussion über die Bedeutung der Benes-Dekrete im Kontext des EU-Erweiterungsprozesses. Und während den Vertriebenenverbänden in der Vergangenheit ihr konservativ-reaktionärer Ruf vorauseilte, stoßen sie derzeit mit ihren Thesen in der Mitte der Gesellschaft zunehmend auf positive Resonanz. 1)

Deshalb soll nun endlich auch ein Projekt politisch durchgesetzt werden, dessen Verwirklichung das wohl wichtigste Ziel der Vertriebenenarbeit der nächsten Jahre darstellt: das "Zentrum gegen Vertreibungen". Ein Titel, der nichts Böses ahnen lässt. "Vertreibung" - das klingt nach Verbrechen und Unrecht. Der Plural ("Vertreibungen") deutet darauf hin, dass es sich um ein weit verbreitetes, wenn nicht weltweites Problem handeln könnte. Und die Negation ("gegen") scheint ein Zeichen gegen Unmenschlichkeit und Verbrechen zu setzen. Das alles klingt viel versprechend und nach einem humanen Projekt.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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