Ausgabe Juli 2002

Nützliche Moscheekonflikte?

Lackmustest auf praktische Religionsfreiheit

Religiöse Stätten werden in Deutschland und im restlichen Europa nur noch selten gebaut. Vor allem in Ostdeutschland schließt man Gotteshäuser auf Grund von Kirchenaustritten und Priestermangel oder widmet sie in profane Konzerthallen, Wohnhäuser und Hotels um. Wo neue Kirchen entstehen, wie zuletzt in Hamburg, Völklingen, München und Wien, finden Architekten eine besondere Herausforderung, auch wenn sie selbst religiös "unmusikalisch" sind: "Es lockt sie der Raum: Einer, der nicht den Zwängen des Alltäglichen gehorcht, nicht praktisch und nicht profitabel sein muss, der nur dem Nichtbeschreiblichen zu dienen hat. Hier darf der Architekt zeigen, was er sein kann. Ein Künstler der Transzendenz". 1) Als Musterbeispiel aktueller Sakralarchitektur gilt die Synagoge im Dresdener Stadtzentrum; der aufwendige Bau (Kosten: über 5 Mio. Euro) wurde genau 63 Jahre nach der Zerstörung des alten Gottfried Semper Baus während der "Reichskristallnacht" wieder eröffnet (und schon wenig später mit einem Hakenkreuz geschändet).

Zwischen 1945 und 1975 wurden in Deutschland über 8 000 Kirchen errichtet, in Folge der Kriegszerstörungen, aber auch auf Grund des zunehmenden Kirchenbesuchs und unter Bezug auf Traditionen des christlichen Abendlandes.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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