Ausgabe November 2002

Gulliver vs. Liliput.

Robert Kagans Macht und Schwäche in der Debatte

Die Frage nach dem richtigen Umgang mit Saddam Hussein belastet die deutschamerikanischen Beziehungen, aber keineswegs nur sie. Auch jenseits des Wahlkampfgetöses hüben und drüben ist in die transatlantischen Beziehungen ein neuer, beunruhigender Ton gekommen. Leben Europäer und Amerikaner überhaupt noch in ein und derselben Welt? Sind es lediglich die Alleingänge der Bush-Equipe, die das im Grunde ungefährdete transatlantische Verhältnis belasten? Oder geht der eingetretene Zustand durchaus nicht auf eine einzelne Wahlentscheidung oder ein singuläres Ereignis wie 9/11 zurück? Beurteilen Amerikaner und Europäer die Welt und ihre Bedrohungen deshalb so unterschiedlich, weil die einen stark sind, die anderen schwach? Was die Vereinigten Staaten und Europa auseinander treibt, hat jüngst Robert Kagan in seinem vielbeachteten Essay „Macht und Schwäche“ pointiert beschrieben. Die „Blätter“ präsentierten im vergangenen Monat seine provokanten Thesen erstmals auf deutsch. Kagan, Senior Associate der Carnegie-Friedensstiftung in Washington, D.C., gilt als einer der einflussreichsten neokonservativen Strategieberater im Umkreis der Bush-Administration. Sein Essay erschien unter dem Titel „Power and Weakness“ zuerst in der „Policy Review“, einer Zeitschrift der Hoover Institution, Stanford, die der republikanischen Partei nahesteht.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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