Ausgabe November 2002

Selbstmord aus Angst vor dem Tode?

Robert Kagan hat mit seiner Kritik an der europäischen Sicherheitspolitik Recht, doch mit seiner Einschätzung der US-amerikanischen Hegemonie in Zukunft dürfte er falsch liegen. Dafür sprechen die historische Erfahrung, zwei aktuelle Meldungen und ein neuer Film. Beginnen wir mit den Lehren aus der Geschichte, sofern solche bereit stehen: Den von Kagan behaupteten Rollentausch zwischen Europa und Amerika im Verlauf des vergangenen Jahrhunderts gibt es tatsächlich.

Ein aus religiösen Wirren und staatlichen Hegemonialkämpfen hervorgegangenes Europa, daheim und draußen in der Welt zu jeder Schandtat bis zum Völkermord bereit und am Ende nur durch den idealistischen Einsatz Amerikas in die Schranken verwiesen, hat seine Alleingänge eingestellt und sich aus freien Stücken in einen politisch-militärischen Zwerg verwandelt, der Kriegsgefahren allein mit friedlichen und diplomatischen Mitteln bekämpfen will.

Die Vereinigten Staaten, deren Nuklearschirm zu dieser Selbstbeschränkung die Gelegenheit bot, haben sich unterdessen auf allen Gebieten zur einer Vormacht entwickelt, wie es sie in der Weltgeschichte bisher nicht gab.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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