Ausgabe Oktober 2002

Globalisierung der Menschenrechte

Soziales gründet auf Sozialem. Diese Formel mag nicht unbedingt und sofort auf vorbehaltlose Zustimmung stoßen. Wenn man sich aber einmal auf die postmodernen Demystifizierungen einlässt, dann sieht man, dass die Aufdeckung und Entlarvung gesellschaftlicher Gründungsmythen eine durchaus Gewinn bringende Tätigkeit sein kann. Eine dieser Entlarvungen ist die von Derrida, Luhmann und anderen immer wieder ausgeführte Tatsache, dass eine jede gesellschaftliche Ordnung und ein jedes gesellschaftliches Funktionssystem auf fundamentalen Paradoxien beruht. 1) Welche Techniken zur Verschleierung dieser Paradoxien eine Gesellschaft zu welcher Zeit nutzt, ist nicht willkürlich, sondern abhängig von den Differenzierungsformen der Gesellschaft.

In Zeiten von Katastrophen, gesellschaftlichen Umbrüchen, kommen diese Paradoxien zum Vorschein und suchen sich eine neue Form. 2) Die aktuelle gesellschaftliche Katastrophe, die "normal science" verunmöglicht, heißt "Globalisierung". Nicht ein örtlicher Bezugsrahmen bildet mehr den adäquaten Erklärungszusammenhang gesellschaftlicher Strukturen, sondern die Differenzierungen können nur noch im globalen Zusammenhang erörtert werden. 3) Dies wirkt sich natürlich gesellschaftsweit und funktionssystemübergreifend aus.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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