Ausgabe Juni 2003

Leere Kassen

Argumente gegen einen vermeintlichen Sachzwang

Wer auf öffentliche bzw. öffentlich finanzierte Dienstleistungen angewiesen ist, wer im Gesundheitswesen, in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen arbeitet oder kommunale Dienstleistungen erbringt, sieht sich tagtäglich mit den Folgen finanzieller Knappheit konfrontiert: "Die Kassen sind leer", heißt es.

In dieser Situation empfiehlt sich Brechts "Turandot oder Der Kongress der Weißwäscher", das in einem fiktiven China spielt. Der größte Teil der Bevölkerung sind Bauern, die sehr viel Baumwolle geerntet haben. Der Kaiserhof, der das Baumwollmonopol hält, hortet die Baumwolle, um die Preise hoch zu halten. Das Volk leidet nun unter Baumwollmangel, die Kleiderfabriken stehen still, die Menschen frieren, obwohl sie eigenhändig Baumwolle gepflückt haben. Am Kaiserhof befürchtet man große Unruhen und beschließt, einen Kongress der TUIs einzuberufen – der Intellektuellen, auch Weißwäscher, Ausredner oder Kopflanger genannt. Sie sollen dem Volk glaubhaft erklären, warum es keine Baumwolle gibt und die kaiserlichen Lager leer sind. Wer die Verteilungsstrategie des Kaiserhauses am besten als Sachzwang darstellen kann, wird mit der Kaisertochter Turandot belohnt, die Verlierer müssen mit dem Leben bezahlen.

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