Am US-amerikanischen Wesen soll die Welt wohl von nun an genesen. Die Cowboys in Washington haben ein wachsendes Vergnügen daran zuzuschauen, wie nach und nach die ganze Welt ihren Verstand verliert, oder wenigstens der Teil von ihr, der politische Verantwortung tragen sollte. Der UN-Sicherheitsrat, das höchste Entscheidungsgremium über Krieg und Frieden, das sich die Völker geschaffen haben, lauscht beeindruckt so genannten „Beweisen“, die unfähige Geheimdienste, weil sie keine fanden, aus einer studentischen Arbeit abgeschrieben haben, und sorgenvoll fragen sich die bisherigen Verweigerer, auf unflätige Weise verhöhnt vom US-Verteidigungsminister, bis wann sie noch warten können, ehe der Zug endgültig abgefahren ist. Denn jetzt ist die Zeit der opportunistischen Bekehrungen gekommen: Noch kämpfen einige Regierungschefs, viele aber haben bereits das Stadium der Resignation erreicht und sind auf dem besten Wege, sich in „Verbündete“ zu verwandeln, stets gegen die Mehrheit der Bevölkerung. Und vielleicht ist ja, wenn dieses Heft erscheint, schon Krieg. Der neue Herr der Welt, ein religiöser Fanatiker, der „komplexe Zusammenhänge“ nicht versteht und deshalb nicht zur Kenntnis nimmt, wird umgeben von einer Gruppe, die schon seit Jahren offen den Krieg propagiert.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.