Ausgabe Oktober 2003

Nation Europa

Ethnoföderale Konzepte und kontinentale Vernetzung der extremen Rechten

Die Auseinandersetzung mit der Idee Europa folgt in jüngster Vergangenheit vor allem pragmatischen Erwägungen. Das ist insofern wenig verwunderlich, als die fortschreitende europäische Integration und hier insbesondere die bevorstehende Osterweiterung die Europäische Union vor neue Herausforderungen stellen wird, etwa im Bereich der Anpassung des EU-Binnenmarktes, einer europäischen Agrar- und Umweltpolitik, der Schaffung eines europäischen Rechtssystems oder der Integration und Gleichstellung von Minderheiten in den Mitgliedstaaten.

Während im geschichts- und sozialwissenschaftlichen Bereich die Suche nach gemeinsamen "europäischen Wurzeln" beginnt und mit dieser auch eine strukturelle Überwindung nationalistischer Ideologeme verbunden sein könnte,1 findet eine darüber hinausgehende tief greifende kritische Reflexion von antidemokratischen Europakonzepten nur begrenzt statt. Europa fungiert oft als genuines Synonym für Freiheit und Fortschritt – obgleich es in der Vergangenheit auch eine Vielzahl von antiemanzipatorischen Europakonzepten gegeben hat, wie etwa das nationalsozialistische mit dem Versuch einer rassistischen Neuordnung des Kontinents.2 Mangelndes historisches Bewusstsein gegenüber durchaus vorhandenen völkischen Elementen einer Idee Europa schlägt sich auch in derzeitigen Europadebatten nieder.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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