Ausgabe September 2003

Generationengerechtigkeit als Kampfbegriff

Wohl kein politischer Begiff hat derzeit eine solche Konjunktur wie "Generationengerechtigkeit". Dabei klang das doch vor fünf Jahren noch ganz anders: Die sorglose "Generation Golf"des Florian Illies verdiente sich am Neuen Markt eine goldene Nase, sodass der Soziologe Heinz Bude in kleinen Berliner Hinterhöfen bereits lauter geniale Bill Gates- Nachfolger am Werke und in Jost Stollmann die Vorhut einer neuen politisch potenten "Generation Berlin" sah, die auf der Hinterbühne der Politik schon mit den Hufen scharrte. Einen Crash der New Economy später ist Stollmann längst vergessen, hat die "Generation Golf"viel Geld an der Börse verloren und Florian Illies betitelt sein Folgebuch "Generation Golf II" mit einem weinerlichen "Alles ist vorbei". Aus "Was kostet die Welt!" wurde "Wer soll das bezahlen?" und prompt ist aus der emphatischen Generationsmetapher von Golf und Berlin die Jammervokabel der "Generationengerechtigkeit" geschlüpft.

Allerdings stammt der Begriff ursprünglich keineswegs aus der Sozialstaatsdebatte. Vielmehr ist er konnotiert mit dem grünen Diskurs der 80er Jahre. Getreu dem paradoxen Slogan "Wir haben die Erde von unseren Kindern nur geborgt" sollten die Interessen künftiger Generationen Eingang finden in die tagespolitische Güterabwägung.

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