Ausgabe August 2005

Der Kampf ums blaue Gold

Privatisierung im Wassersektor

Von den rund sechs Milliarden Menschen, die auf der Welt leben, haben nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 1,1 Milliarden keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 2,4 Milliarden verfügen über keinen Zugang zu verbesserter Abwasserentsorgung.1 Täglich sterben fast 30 000 Menschen an Krankheiten, die mit dem Mangel an trinkbarem Wasser oder sanitären Anlagen zusammenhängen. Gründe für die Wasserkrise sind insbesondere der ständig steigende Wasserverbrauch und das andauernde Bevölkerungswachstum. Vor allem in den südlichen Staaten kommen zur Wasserknappheit eine starke Verschmutzung sowie eine ineffiziente Wasserbewirtschaftung hinzu. Bei dieser Ausgangslage erwartet eine Hand voll privater, transnational tätiger Unternehmen große Gewinnchancen im Wassersektor und drängt weltweit auf freien Zugang zu den Wassermärkten. Der weltweite jährliche Umsatz der Wasserindustrie wurde für das Jahr 2000 auf immerhin 400 Mrd. US-Dollar geschätzt.2 Dies entspricht ca. 40 Prozent des Umsatzes im Ölsektor und liegt bereits ein Drittel höher als die Umsätze in der Pharmaindustrie.

Sowohl in der Bundesrepublik als auch in der Europäischen Union und in der Welthandelsorganisation (WTO) wird über Liberalisierungen und Privatisierungen von Diensten der Daseinsvorsorge diskutiert. Den internationalen Liberalisierungsvorhaben stehen die gewachsenen Strukturen der kommunalen Erbringung von gemeinwohlorientierten Dienstleistungen entgegen.

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