Ausgabe Januar 2006

Kinder und Rente: Welchen Wohlfahrtsstaat brauchen wir?

Wenn es um die Diagnose der Missstände unseres gegenwärtigen Sozialsystems geht, dominiert etwa folgende Analyse den Markt: Die Alterung unserer Gesellschaften stellt uns vor ein großes Problem, nämlich das der Nachhaltigkeit. Wie können wir das ganze Wohlfahrtsstaats-Gebäude, dass wir in der Nachkriegszeit errichtet haben, künftig finanzieren? Problemverschärfend wirkt die Tatsache, dass für die Jungen in Zukunft wenig übrig bleiben wird, wenn die Alten einen immer größeren Anteil unserer Ressourcen verbrauchen.

Ich möchte diese Standardformel umkehren. Wie ich die Dinge sehe und, bisher ohne allzu großen Erfolg, den Politikern nahe zu bringen versuche, müsste unser Slogan etwa so lauten: Eine gute Rentenpolitik beginnt mit Babys. Das mag banal klingen, aber der Punkt ist ziemlich wichtig. Ich bin überzeugt, dass jeder Versuch, unsere Sozialpolitik zu erneuern und zu einer Neukonzeption des Wohlfahrtsstaats zu kommen, mit einer konsistenten Lebensverlaufsanalyse beginnen muss. Wer eine solide Sozialpolitik für das 21. Jahrhundert entwickeln will, muss über Lebenszyklen nachdenken und darüber, was sich in unserem Lebensablauf verändert. Nach dieser Methode werde ich verfahren, um zu zeigen, dass jede gute Politik mit Babys anfängt. Das ist im Grunde nichts Neues.

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